„Die Tabak-Lobby ist mächtig, es geht um sehr, sehr viel Geld – ein Milliardengeschäft.“

Fakten über Martin Lange und ein Interview über Entschlusskraft, Veränderungsprozesse und die Macht des Rauchens.

Herr Lange, bevor wir anfangen: Darf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?

Vielen Dank. Ja sicher (lacht). Ich entsorge sie gerne für Sie im Mülleimer ..

 Sie sind seit langem als Trainer und Coach tätig. Wie kam es zu dem Entschluss, Menschen das Rauchen abzugewöhnen?

Ich war vom 18. bis zum 30. Lebensjahr selbst Raucher, unter der Woche eine halbe Schachtel pro Tag, am Wochenende ein bis zwei Schachteln täglich. Nach zehn Jahren intensiven Rauchen bekam ich öfter als zuvor  hartnäckige Bronchitis und Schnupfen. Das wollte ich ändern. Da ich seit über 15 Jahren beruflich viele Menschen bei Veränderungsprozessen begleite, habe ich dann beschlossen, einmal genau hinzuschauen und mich mit den Prozessen des Rauchens auseinanderzusetzen. Die Idee des Nichtraucher-Trainings war geboren.

Ist Nichtrauchen mittlerweile ein Ausdruck von Lifestyle? Ein Trend?

Soweit würde ich nicht gehen, aber man kann schon sagen, dass ein Umdenken stattgefunden hat. Früher war das Rauchen sicherlich – na sagen wir – „cooler“. Die Bevölkerung war aber auch noch nicht so aufgeklärt wie heute. Auch die Tabakwerbung ist heute nicht mehr so massiv wie früher. Die Menschen verstehen langsam immer besser und lassen sich nicht mehr so viel vormachen, sei es ein Gefühl von „Liberté toujours“, Freundschaft oder Freiheit. Und die langfristigen Konsequenzen sind heute einfach allen bekannt. Und zum Glück greift nun auch der Staat ein – in Deutschland leider noch nicht deutlich und nachhaltig genug. Andere europäische Länder sind da schon viel weiter. Deutschland ist, was die Durchsetzung der Nichtrauchergesetzte angeht, ein Entwicklungsland. Die Tabak-Lobby ist stark hier, denn es geht um viel Geld, genauer gesagt sehr sehr viel Geld – ein Milliardengeschäft.

 Was unterscheidet einen Nichtraucher von einem Raucher?

Eigentlich gar nicht so viel. Wir Menschen streben alle nach ähnlichen Gefühls-, Erregungs- und Entspannungszuständen. Allerdings haben Nichtraucher andere Strategien gefunden, diese Gefühle und Zustände zu erreichen. Der Raucher hat dagegen „gelernt“, es immer und immer wieder mit der Zigarette zu verbinden. Er denkt nicht mehr darüber nach. Das sind Automatismen, die ablaufen. Die gute Nachricht: diese kann man ändern!

 Warum gibt es Raucher, denen es scheinbar sehr leicht fällt aufzuhören? Und warum tun sich viele so schwer damit?

Es scheint wohl verschiedene Suchttypen zu geben. Ich selbst kenne eine Sportstudentin, die jedes Jahr während der Karnevalszeit sehr viel raucht und direkt danach wieder aufhört, ohne irgendein Problem, von Entzug oder Stimmungsschwankungen zu haben. Das scheint aber eher die Ausnahme zu sein. Für mich galt das nie (lacht). Für die meisten ist es schwieriger, ganz ohne Unterstützung von außen das Rauchen aufzugeben. Die Prozesse und Gefühle, die durch das Rauchen ausgelöst werden, sind ungemein komplex. Dem Körper fehlt schlicht etwas, wenn er kein Nikotin mehr bekommt. Diese körperliche Abhängigkeit gilt es, zu erkennen verstehen und durch nützlicheres und gesünderes zu ersetzen. Das tun wir im Intensiv-Seminar und im begleitenden Coaching.

 Kommen manche Teilnehmer mehrmals zu Ihnen? Und wenn ja: Erhöht oder senkt das die Erfolgsaussichten?

Ein Rückfall kann zum Prozess dazugehören und bedeutet nicht, dass man gleich wieder zum Kettenraucher wird! Deshalb kommen einige Teilnehmer erneut. Auch Einzelcoaching ist in solchen Fällen sehr wirksam. Im Vordergrund steht das Ziel des Nichtrauchens, und wenn dazu zwei Trainingseinheiten notwendig sind, bitteschön. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.

 Nehmen wir mal an, Sie merken einem Seminarteilnehmer an, dass er gar nicht aufhören möchte. Was tun Sie?

Grundsätzlich ist die einzige Vorraussetzung, die ein Seminarteilnehmer mitbringen sollte, der Wunsch, dass er wirklich gerne aufhören möchte. Falls sich im Laufe des Trainings jedoch herausstellt, dass er das gar nicht  möchte, ist das vollkommen in Ordnung. Mein Ziel ist es nicht, die Menschen zu missionieren. Ich biete denen meine Unterstützung an, die sie wünschen und benötigen.

Die Seminarteilnehmer lernen bei Ihnen viel über die Mechanismen des Rauchens. Was lernen Sie von den Seminarteilnehmern?

Die Teilnehmer lernen eine Menge über sich selbst. Viele Raucher haben ähnliche Beweggründe, warum sie rauchen. Aber jeder hat eine andere Geschichte, jeder tickt ein wenig anders. Die Seminare geben mir die Gelegenheit, diese verschiedenen Geschichten kennen zu lernen, individuell auf sie einzugehen. Das ist eine ungemein bereichernde Tätigkeit. Außerdem ist es schön, ein paar Wochen oder Jahre später, Teilnehmer zu treffen, die ihrem Entschluss treu geblieben sind. Ich habe selbst zwölf Jahre geraucht. Die nächsten zwölf Jahre werde ich vielen Menschen helfen, das Rauchen aufzugeben.

Martin Lange arbeitet seit 16 Jahren in der Weiterbildung und Personalentwicklung. Neben Coaching von Führungskräften und deren  Mitarbeitern leitet und organisiert er seit 2004 auch Nichtrauchertrainings. Martin Lange wohnt und lebt im Belgischen Viertel, im Herzen von Köln.

Weitere Infos zum Seminar: